5. April 2015

Die CO2-Bilanz des Fahrrads

Radfahren ist um vieles umwelt- und klimafreundlicher als Autofahren. Ja, klar. Aber stimmt das wirklich?

Ein Mensch, der sich anstrengt, setzt ja ebenfalls Kohlendioxid frei. Im Pedelec-Forum hat einer ganz genau ausgerechnet, was ein Pedelec-Radler und ein Normal-Radler der allgemeinen Klimaerwärmung Böses tun.
Der Rechner geht aus von einem einem 70 kg schwerem Radler, der mit durchschnittlich 16 km/h unterwegs ist. Sein Fahrrad hat er 8 Jahre, und er fährt es 2.700 km pro Jahr. Mit eingerechnet sind die Herstellungs- und Wartungsbilanz des Fahrrads. Das Rad allein produziert demnach pro Kilometer 5 g Kohlendioxid. (Beim PkW sind das ungefähr 21 g/km.)

  • Ein Fahrrad mit Radler verursacht etwa 21 g CO2 pro Kilometer.
  • Der Pedelecfahrer liegt bei 22 g CO2 pro Kilometer.
  • Ein Pkw produziert nach unterschiedlichen Angaben und Größe zwischen 140 und 270 g CO2 pro Passagier und Kilometer.
Zu einer ähnlichen Differenz (wenn auch insgesamt mit niedrigeren Werten) kommt der Stern auf seiner Internetseite, wenn man sich den CO2-Fußabdruck berechnen lässt. Demnach erzeugen die etwa 2.700 Radel-Kilometer im Jahr 11 kg CO2. Beim Auto kann man es nicht so genau sehen, aber der Indikator zeigt bei ungefähr 2.700 km 430 kg Kohlendixoid an.


fahrradproduktion.gif
Grafik: Earth Policy Institute
Earth Policy Institute: Bicycles Indicator Data
Auch wenn die Zahlen unterschiedlich sind, eines zeigen alle Berechnungen: Ein Rad samt Radler erzeugt nur etwa 10 Prozent des klimaschädlichen Kohlendioxids wie ein PkW.

Immerhin fahren inzwischen  mehr als doppelt so viele Fahrräder auf der Welt herum wie Autos. Auf dem Radspannerei-Blog lesen wir, dass im Jahr 2008 130 Millionen Fahrräder produziert wurden, und 52 Millionen Autos. Mitte der 60er Jahre lagen Fahrrad- und Autoproduktion noch eng beieinander. Anfang der 70er Jahr öffnete sich die Schere und seit 2001 steigt die Fahrradproduktion steil an.

Kommentare:

  1. Das schweizerische Velojournal hatte zum Energieverbrauch von Pedelecs mal einen Artikel verfasst, den ich leider nicht mehr finde.

    Meine Einfachstberechnung sieht aber so aus:
    Mein pedelec hat einen Motorantrieb von 0,35kw. Mein (leider noch benötigtes) Auto hat einen Dieselmotor mit 66kw.
    Das vierrädrige Vehikel liegt schon damit um den Faktor 20 höher. Energieeinsatz für die Herstellung, Verschleißteile und Wartung noch garnicht eingerechnet.

    AntwortenLöschen
  2. Ich habe mir im Juni 2011 ein Pedelec zugelegt. Die damals große Zahl der Kritiker konnte ich durch die Festlegung des zulässigen Kritiklevels von min. 52 km und 600 Hm auf dern täglichen Fahrt zur Arbeit auf Null reduzieren. Bilanz bis heute: 25.700 im Alltag zurückgelegte km, verbrauchte elektrische Energie = 154 kWh (der allergrößte Anteil wurde von den Energiewerken Schönau für mich eingespeist – d.h. NULL CO2!), CO2 Bilanz des Akkus = 1,0g/km (siehe ADFC Radwelt 3.14). Der Rest der Antriebsenergie wurde fossilfrei und zum großen Teil aus regional und nachhaltig produzierten Agrarrohstoffen umgewandelt, die da u.a, wären: Hartweizen und anderes Getreide , Käse, Gemüse, etwas Fleisch und Braugerste.
    Ich bin mit dieser CO² Bilanz sehr zufrieden!

    AntwortenLöschen
  3. Was man in Sachen CO2-Ausstoß auch nicht vergessen darf: Die menschliche Atmung (und die aller Lebewesen) stellt im Kohlenstoffzyklus eine natürliche Emission dar, d.h. sie ist als CO2-neutral anzusehen da die Natur darauf ausgelegt ist, dieses CO2 kurzfristig wieder zu absorbieren (z.B. durch Pflanzenwachstum) und somit ein Fließgleichgewicht herzustellen und zu erhalten. Das ist der große Unterschied zum Auto, bzw. Kraftfahrzeugen allgemein: Diese verbrennen nämlich fossile Energieträger, und das dabei freigesetzte CO2 kann nicht kurzfristig wieder gebunden werden da die Natur nicht über entsprechende Ressourcen verfügt diese immensen Mengen so schnell wieder aufzunehmen. Was passiert? Der CO2-Anteil in der Atmosphäre steigt durch diese unnatürlichen Emissionen stetig an.

    Lange Rede, kurzer Sinn: Die menschliche Atmung ist ein natürlicher Vorgang, das Verbrennen von fossilen Kohlenstoffverbindungen nicht. Darum sind für mich solche vergleiche der CO2-Bilanz fragwürdig.

    AntwortenLöschen
  4. Den erhöhten CO2 Ausstoß durch die Atmung würde ich beim Fahrradfahren nicht mit zählen. Viele Leute bewegen sich regelmäßig weil es für die Gesundheit und das Wohlbefinden wichtig ist. Wenn ich mit dem Fahrrad fahre habe ich meine Bewegung. Als Autofahrer fahre ich dann aber dreimal die Woche in Fitnessstudio (natürlich mit dem Auto) und erzeuge dann dort das CO2 das ich sonst beim Fahrradfahren erzeuge.
    Zumindest in meinem Fall reduziert sich das durchs Fahrradfahren erzeugte CO2 dadurch erheblich und ich denke dass sich viele Autofahrer in irgendeiner Form körperlich bewegen was sie reduzieren würden wenn sie stattdessen mit dem Fahrrad fahren würden.

    AntwortenLöschen
  5. Die Atmung der Menschen einfach als natürlich anzusehen und nicht mitrechnen zu wollen ist falsch. Die Menschheit ist mittlerweile auf über 7 Milliaredne Menschen angewachsen. Im 18. Jahrhundert war es nur 1 Milliarde und die Wachstumskurve sieht bedrohlich aus. Die Menschen dieser Welt produzieren pro Tag 650'000 Tonnen Co2 und dies ist eine untere Abschätzung, da der Ruhezustand eines Menschen zu Grunde bei dieser Rechnung zu Grunde gelegt wurdet. Leider werden alle Massnahmen nicht zum Erfolg führen, wenn dei Menschheit so weiterwächst. Wie man das löst ? Das ist eine sehr heikle Frage

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Die Wahrheit liegt zwischen der Meinung von Anonym und der von Florian. Die Argumente von Florian sind aber nicht von der Hand zu weisen. Die Atmung des Menschen rechnen wir bei der CO2 Bilanz zunächst nicht ein. Der Grund ist, wie Florian richtig argumentiert, dass für unsere Nahrung kein zusätzliches CO2 aus fossilen Lagern freigesetzt wird. Vielmehr verbrauchen die Pflanzen auf dem Feld CO2 aus der Luft und nutzen dazu die Energie der Sonne. Dieses beispielsweise als Kohlenhydrat gebundene CO2 essen wir dann, nehmen sozusagen die Sonnenenergie heraus und übrig bleibt CO2, das wir ausatmen. Nun ist es aber so, dass bei der Herstellung unserer Nahrung ebenfalls fossile Energie freigesetzt wird, durch Ernte, Transport, Lagerung, Verkauf. Um einen Riesenfaktor schlimmer wird die Geschichte, wenn wir Fleisch essen, weil bei dessen Erzeugung besonders viel zusätzliches CO2 und zusätzlich beträchtliche Methanmengen freigesetzt werden. Methan geht direkt in die Atmosphäre, wird dort nur langsam zu CO2 abgebaut und begünstigt als sehr wirksames Treibhausgas während dieser Zeit die Erderwärmung. Das führt dazu, dass ihr selbst über die Wahl der Ernährung einen großen Teil eures Beitrags zur Klimaerwärmung steuern könnt. Für Herrn Müller von nebenan, der mit seinen 110 kg etwas an Übergewicht leidet, täglich Fleisch isst, in einem schlecht isolierten Haus allein auf 75 m² wohnt, die Heizung immer auf 25°C einstellt, zur Arbeit und zum Einkaufen mit seinem alten, großen Auto fährt und jedes Jahr nach Thailand in Urlaub fliegt, trägt zur Erderwärmung soviel bei, wie 30 bis 50 buddhistische Mönche. Wenn ihr es darauf anlegt, könnt ihr es leicht erreichen, nur ein viertel oder weniger als Herr Müller von nebenan zur Erderwärmung beizutragen.

      Löschen
    2. Achtung, es folgt eine Argumentativ-Assoziative Streubombe:
      "Der Grund ist, wie Florian richtig argumentiert, dass für unsere Nahrung kein zusätzliches CO2 aus fossilen Lagern freigesetzt wird." - das gilt wie du andeutest vielleicht für Veganer, und auch für die nur eingeschränkt. Nahrungspflanzen werden hauptsächlich mit Mineralischen Düngern versorgt, die zusätzlich abgebaut werden, Stichwort: Phosphor.
      Wenn mein Fahrrad mit Fleisch betrieben werden würde und die Karre meines Nachbarn täglich vier Veganer transportierte bin ich gespannt, wie die Rechnung dann aussieht. Das man beim Auto verschleißteile und Wartung mit einbeziehen und beim Fahrrad vernachlässigen sollte ist mir auch schleierhaft, Akkus wachsen nicht aufm Acker und der Anstieg der Elektromobilität hat natürlich eine direkte Wirkung auf die Neubauten an Zellenwerken nach sich zu ziehen, bei Autos mit alternativen Antrieben sieht es dann nochmal anders aus. Die Natur ist auch keineswegs auf 8 Mrd. Menschen, die auf dem Fahrrad herumatmen ausgelegt, die Natur ist auf überhaupt nichts ausgelegt. Sie wird uns alle überleben, und ganz sicher nicht durch das Erdölzeitalter oder gar das Automobil "Zerstört" werden. "Die Natur" ist kein Wesen, sondern ein Bewegungsprinzip und solange es Planeten gibt, gibt es auch Natur. Abgesehen davon, dass Nahrungsmittel nicht per Rad transportiert werden (noch nicht) sehe ich den Fleischkonsum und die an allen Stellen vollkommen desaströs falsche Verteilung von Nahrunsmitteln auch als die wesentlich größere Katastrophe an. Daran sterben Menschen nämlich nicht erst gleich sondern jetzt. Ich halte die Umweltargumentation schon lange für einen Holzweg. Für das Fahrrad spricht seine soziale Funktion und sein grundsätzlich emanzipatorisches Potential. (Das gilt übrigens für den Schrottklapper sehr und für das neue sau-teure E-Bike fast gar nicht). Falls hier und da ein wenig CO² eingespart werden kann ist das doch schön - das kommt dank des Emissionshandels dann direkt der Schwerindustrie zu gute - für wen strampel ich eigentlich seit Jahren? Kurzer Sinn: Das Fahrrad beschert vielleicht einigen Reichen (das sind die Weißen in diesen Industrieländern) ein warmes Gefühl im Bauch (das ist das gute Gewissen) ist für die Mehrheit von uns aber einfach eine Notwendigkeit. Im übrigen ist es möglich mit dem Fahrrad mobil zu sein ohne sich registrieren zu müssen und deshalb z.B. für Illegalisierte Menschen das Fortbewegungsmittel der Wahl. Menschliche Wärme zu erzeugen ist für mich der einzig relevante Umweltschutz, die die (die Umwelt) ist ein Bewusstseinszustand. Es ist ja nicht so, dass es sie ohne Menschen auch gäbe, ohne uns ist die Natur dumm und blind, ohne Begriff von sich selbst. Was das Klima angeht sind die Killer klar: Fleischesser, Menschen, die Kinder bekommen und Leute die Arbeiten. Sollen die jetzt alle weg oder verschieben wir den gutgemeinten aber doch selten gutgemachten Klimaschutz nicht vielleicht lieber, bis wir es auf diesem kleinen Ball geschafft haben ein für alle einigermaßen erträgliches Gemeinwesen zu schaffen, dass diesen Ball vielleicht überaupt erst erhaltenswert machen würde?
      1/2

      Löschen
    3. 2/2

      Die eigentliche Schande ist ja nicht, dass wir diesen Ball gerade verheizen, sondern dass wir ihn für einen so ausgemachten Scheiß verheizen. Ich bin übrigens überzeugt, dass wenn morgen die ganze Erdoberfläche verbrennt, atomar verseucht, die Meere überdüngt und im Mikroplastik ersoffen sind, dass in 1 - 2 Millionen Jahren dort wieder blühende Landschaften und gelingende Lebewesen entstehen. Die Natur lässt sich eben nicht zerstören, sowenig wie sich Energie verbrauchen lässt. Und gerade deshalb auch nicht schützen. Schützen - vor dem Menschen - lässt sich vielleicht gerade mal die Kreatur, das Tier, der Mensch. Während ich diesen halbgaren Krempel in das so sorgfältig und fast ausschließlich von Atomkraftwerken in Schuss gehaltene Weltnetz schiebe, verbrate gefühlt mehr Energie als wenn ich Nachts im Bad das licht ausmachen würde. (Hab da aber Bedenken, denn meine Nachbarin ängstigt sich im Dunkeln, es wäre also schlecht für meine Umwelt, da es direkt Menschliches Leid vergrößern würde). Unsere Familie hat übrigens kein Auto, wir sind ausschließlich Fußgänger, Radfahrer, Bahnfahrer. Wir haben es allerdings bisher erfolgreich vermieden uns deshalb als bessere oder auch nur irgendwie "gute" Menschen zu fühlen. Das ist der einzige Fortschritt, den ich anzubieten habe. Salut.


      PS: Warum muss ich um zu beweisen, dass ich ein Mensch bin eigentlich auf Autos klicken und was kostet mich ein Roboter, der das für mich macht?

      Löschen
  6. Alter Blogbeitrag, aber dennoch will ich einen Gedanken hier los werden, der mir gerade gekommen ist - unabhängig vom gesundheitlichen Aspekt des Radfahrens -

    Wenn ich mit dem Rad zur Arbeit fahre (ca. 15km/30Min pro Strecke mit vielen Steigungen), benötige ich deutlich mehr Kalorien pro Tag. Im Besonderen erhöht sich über den ganzen Tag verteilt mein Grundumsatz, weil mein Körper aufgeheizt ist und die verstärkte Durchblutung erst nach einer Weile wieder zurückgeht.

    Wenn man diversen Energieverbrauchsrechnern glauben schenken kann,
    benötige ich bei meinem Tempo und Körpergewicht ca. 900 Kalorien zusätzlich pro Tag, was einer zusätzl. Mahlzeit pro Tag entspricht.

    Je nachdem wie ich diese Kalorien wieder decke (z.B. mit 100g Wurstaufschnitt, Gemüse aus Spanien, Butter von irischen Kühen und etwas exotisches BIO-Obst kommt alleine dadurch auch wieder ein CO2 Anteil zusammen, den man bei den Vergleichsrechnungen nicht ignorieren kann.


    Grüße
    Stefan

    AntwortenLöschen