20. Juli 2017

Augen zukneifen hilft nicht - sie sind da.


In Stuttgart hat der Radverkehr eine ungeheure Dynamik bekommen. Dank der Pedelecs entdecken immer Menschen die Freiheit, die ihnen das Fahrrad gibt. Man kommt überall hin, man steht nie im Stau, man hat Bewegung und fühlt sich besser. 

Fahrräder sind überall. Die große Frage ist, ob die Stadt - der Gemeinderat und die planende Verwaltung - die Kurve kriegt und den Radverkehr zukunftsfähig gestalten will oder ob sie ihn in seiner Dynamik sich selbst überlässt. Dann erobern Radler jede Straße, jede Kreuzung, jeden Park, jeden Tunnel. Dann haben Autofahrer immer Radfahrende vor sich, und Fußgänger leider auch immer Fahrradfahrer um sich. Städte werden zu Fahrradstädten, weil in ihnen Rad gefahren wird, nicht weil man hier und dort mal einen kleinen Radweg baut.

19. Juli 2017

Wenn man Radstreifen zwischen den Autoverkehr bastelt

So sieht das aus, wenn ein Radstreifen endet, weil man Rädern auf der Fahrbahn keinen Platz geben kann. 

Das ist in Vaihingen die Kreuzung der Straße Vaihinger Markt Richtung Rohr mit der Hauptstraße. Ein Radstreifen führt zur Ampel vor. Dann sehe ich das hier. Wenn ich nach links Richtung Kaltentaler Abfahrt abbiegen will, soll ich das über den Aufstellplatz fürs indirekte Linksabbiegen tun.

Aber wo ist die Ampel, die mir sagt, wann ich losfahren kann?

18. Juli 2017

Radwege helfen dem Autoverkehr

Nimmt man den Autos eine Fahrspur weg und legt stattdessen einen Radweg oder Radstreifen an, dann bremst das den Autoverkehr nicht aus, sondern beschleunigt ihn.

Das hat sogar der größte Automobilverband, der ADAC, erkannt, wie die Welt bemerkt. Denn Studien in den USA, über die auch der ADFC berichtet, zeigen das. Die Forscher haben verschiedene Szenarien durchgerechnet. Dabei kam heraus, dass Autofahrer schneller vorwärts kommen, wenn der Radverkehr auf einer getrennten Spur unterwegs ist. Je höher der Anteil der Radfahrenden ist, desto schneller kommen Autos vorwärts. Logisch. Denn fahren viele Radler im Verkehr mit, dann bremsen sie Autos aus, die hinter ihnen sind. Trennt man die beiden Geschwindigkeiten (Auto und Fahrrad), dann kommen die Schnelleren schneller vorwärts und die Langsameren auch.

16. Juli 2017

Radler können die Regeln gar nicht einhalten

 Löwentor/Pragstraße 
Blogleser Chris hat mir einen Brief geschrieben, weil es ihn - wie mich auch - beschäftigt, dass man nicht so Rad fahren kann, dass man die Regeln einhält. 

"Ich gehöre zu den Menschen", schreibt er, "die sich gerne an Regeln halten, weil es das Zusammenleben leichter macht und das Verhalten (hier: im Verkehr) einschätzbarer macht und damit weniger gefährlich. Es ist einfach weniger Stress. Aber ich schaffe es nicht, mich als Radfahrer in Stuttgart an die Regeln zu halten. Und das nicht mit Absicht, sondern weil die Wege ein Puzzlewerk sind und man an jeder Kreuzung erstmal sinnieren muss, wie man legal rüberkommt. Bei den Blitzentscheidungen, die man beim Ranradeln treffen muss, sind im Rückblick halt auch mal falsche Entscheidungen dabei."

14. Juli 2017

Der Landwirtschaftsminister und die militanten Mountainbiker


In Baden-Württemberg dürfen Radler im Wald nur dort fahren, wo der Weg mindestens zwei Meter breit ist. Das ist allen ein Ärgernis.

Nicht nur allen Radlern. Auch Politiker kriegen regelmäßig Ärger mit der Regel, wenn sie sich mit unbedachten Äußerungen in die Nesseln setzen.

So wie Landwirtschaftsminister Hauk, der in einem Interview von "ein paar militanten Mountainbikern" gesprochen und damit sein "Wir werden nichts ändern" begründet hat. Aber auch Spaziergänger müssten sich über die Regel ärgern, wenn sie darüber nachdächten.

Denn auf breiten Wegen sind alle unterwegs, auf schmalen Waldwegen dagegen sowohl deutlich weniger Fußgänger als auch weniger Radfahrer. Radfahrer aber zwingt diese Regel auf die breiten Wege. Da stören sie Spaziergänger. Downhiller und Montainbiker, aber auch radelnde Kinder und Jugendliche lieben zudem schmale und gewundene Strecken.

13. Juli 2017

Hofener Straße am Sonntag wirklich für Autos gsperrt


Die Cannstatter Zeitung berichtet über das Problem der massenhaften Durchfahrt am vergangenen Sonntag und erwähnt auch das Video eines Blogs (gemeint ist meiner), das die Situation zeigte. Die Stadt wird nun reagieren.

Der Cannstatter Zeitung zufolge wird es für Autofahrer bessere Umleitungsschilder geben. Die Ampelschaltung an der Kreuzung mit der Reinhold-Maier-Brücke wird geändert, und es wird am kommenden Sonntag an der Schranke bis 21 Uhr ein Wachdienst stehen. Die Polizei will, so heißt es in der Zeitung, zudem die Durchfahrer, die sie selbst am vergangenen Sonntag erwischt hat, mit Bußgeldern belegen (15 Euro).

Schauen wir mal, wie es am Sonntag da aussieht. Ich bin sowieso dort, weil Ruderclubfest ist. Mal sehen, wie viele in der Einfahrt zum Ruderclub wenden müssen.

12. Juli 2017

Die uneingeschränkte Macht der Straße

Eine Doktorarbeit beschreibt die Haltung von US-Autofahrern Radfahrenden gegenüber. 

Dabei kommt heraus, dass Autos wie Waffen sind, sie werden als Mittel der Kontrolle und Einschüchterung betrachtet.

Die Arbeit geht von der Frage aus, die sich Radfahrende immer wieder stellen: Warum hassen uns die Autofahrer? Und zwar zuweilen so sehr, dass sie unseren Tod in Kauf nehmen indem sie gnadenlos knapp überholen oder schnell abbiegen. Warum geben wir so schnell den Radfahrern die Schuld an ihren Unfällen, zumindest aber eine Mitschuld? Diese Fragen hat sich Tara Godddard in ihrer Doktorarbeit gestellt. Und über das Ergebnis berichtet Lloyd Alter in diesem Artikel, erstaunt darüber, dass auf unseren Straßen ein sozialer Machtkampf stattfindet, der Opfer fordert, die wir akzeptieren.

10. Juli 2017

Radfahrer halten sich doch an keinerlei Regeln

So heißt es immer. Die fahren auf Gehwegen, auch wenn es verboten ist. Ja. Stimmt. 

Was ich gesehen habe, gestern an der Schranke Hofener Straße, war bestürzend.

Ich habe doch tatsächlich in der Viertelstunde, die ich das Video gedreht habe, drei Radfahrende erwischt, wie sie auf den Gehweg einschwenkten, statt die Fahrbahn zu benutzen. Das müssen sie nämlich sonntags, wenn die Hofener Straße für den Kraftverkehr (Autos, Motorräder, Lieferwagen etc.) gesperrt ist. Was da sonst noch passierte, war echt krass. Hier das Video.

8. Juli 2017

Zweierlei Maß

Das Foto vom Fahrrad, dass neben dem Radstreifen auf der Fahrbahn parkte, wurde vielfach geteilt und belacht. "

Ein Kölner Kommunalpolitiker wollte darauf aufmerksam machen, wie oft Autos auf Radstreifen stehen, weil ihre Fahrer nur kurz was besorgen wollen. So wie hier vor dem Kiosk auf dem Radweg in Kaltental (Foto unten). Autofahrende, die ihr Auto so abstellen, müssen  nur ein Bußgeld in Höhe von 20 Euro befürchten (so viel wie wenn die Parkuhr abgelaufen wäre). Dieses Verhalten gilt nicht als gefährlicher Eingriff in den Strarßenverkehr, obgleich es Radfahrenden sehr gefährlich werden kann.

5. Juli 2017

Was weiß die Stadt wirklich übers Radfahren?


"Stadt arbeitet an besseren Bedingungen", lautet die Überschrift des Artikels in der Stuttgarter Zeitung über unseren Stresstest auf dem Radweg Holzstraße vom Freitag. 

Aber geschieht auch wirklich etwas? 

Es ist ein langer Artikel im "Innenstadt"-Buch der StZ, in dem ausführlich die Konfliktstellen und die Haltungen von uns Radfahrenden dazu beschrieben werden: Die Antwort der Stadt durch den Pressesprecher Sven Matis ist vergleichsweise lakonisch.

Wieder eine Einbahnstraße für Radler offen

Schon lange wünschen sich Radler im Süden, dass sie den kleinen Abschnitt der Liststraße, der zur Böheimstraße hinunterführt, hinauf radeln dürfen. 

Jetzt endlich ist das auch legal. Die Stadt hat die Einbahnstraße für Radfahrende in Gegenrichtung freigegeben, übrigens bevor die Fahrbahnmalerei abgeschlossen war (siehe Foto ganz unten), und einen deutlichen Radstreifen an den Rand gemalt, der die Radler hinauf führt und Autofahrenden klar macht, dass sie Platz lassen müssen. Schön gemacht.

3. Juli 2017

Stresstest auf dem Radweg Holzstraße - das sind die Konflikte

Zum Video
Am vergangenen Freitagabend haben rund dreißig Radler/innen den Radweg Holzstraße einem Stresstest unterzogen. 

Die Frage war, wie funktioniert er, wenn wirklich viele Radfahrende unterwegs sind, so wie das auf einer Hauptradroute 1 zu erwarten ist. Wie geht das mit den Autos, die queren? In welcher Situation befinden sich die Fußgänger hier? Wo gibt es Konflikte? Wo wird es echt gefährlich? Und wo sind die Hindernisse für Radfahrende, diesen Weg überhaupt zu benutzen? Eine konfliktträchtiges Begegnungs-Areal, wie auch das dieses neue Video zeigt.

Rückblick: Der Umbau des Dorotheenviertels hat uns eine Fahrradstraße weggenommen. Sie ist jetzt Fußgängerzone mit Radfreigabe, was Schrittgeschwindigkeit bedeutet. Geht, wenn nicht im Durchfahrtmodus als Radpendler unterwegs ist. Die Hauptradroute 1 führt jetzt und künftig an der B14/10 entlang, also über die Holzstraße. Vormittags und Mittags herrscht auf dem Radweg reichlich Autoverkehr, wie dieses Video zeigt.

2. Juli 2017

Selbsthilfe in Lettland

Quelle: Hier
Die lettische Hauptstadt Riga hat jahrelang Radstreifen und Radwege versprochen, aber im konkreten Fall haben Politiker immer festgestellt, dass doch kein Platz für Radfahrer da sei. 

Jetzt hat eine Gruppe gezeigt, dass der Platz sehr wohl da ist. Die Aktivisten malten Radstreifen auf den Asphalt, weil sie es leid waren, immer wieder vertröstet zu werden. Das berichtet Citylab und zeigt auf dem Foto, dass Radler ihn sofort benutzt haben. Wer das war, ist nicht bekannt. Die Fahrbahnmalerei ist jedoch so exakt und professionell gemacht, dass es Gerüchte gibt, es seien städtische Angestellte gewesen, unterstützt von einer politischen Partei. Die Radstreifen haben viele in der Stadt so überrascht und aufgeweckt, dass einige sogar der Stadt gratulierten, die allerdings die Radstreifen umgehend wieder wegmachen ließ.

30. Juni 2017

Radweg Holzstraße ...

Das Video
Gut für alles, außer Radfahren. Derzeit haben wir dort mal eine Baustelle mit Kran, mal nicht.

Die Schilder, die den Radweg zum Fußweg machen, werden nicht mehr aufgestellt. Ist auch nicht nötig, denn die meisten Radler fahren derzeit woanders.

Dafür fährt ganz viel anderes auf und über den Radweg. Auf dem Gehwegbereich stehen so viele Autos, die was anliefern, dass die Fußgänger sich lieber auf dem Radweg aufhalten. Die Masse an Autos ist schon frappierend, die hier quert. Und steht. Und rangiert. Und wendet. Und noch ist die Tiefgarage des Dorotheenquartiers ja nicht so bekannt. Wie sieht das in ein paar Wochen an einem Samstagvormittag aus? Und wie sieht das aus, wenn hier mal wirklich viele Radfahrende unterwegs sind, auf ihrer Hauptradroute 1 längs durch Stuttgart?

Gestern habe ich eine Viertelstunde lang zwischen halb eins und eins am Mitttag die Kamera draufgehalten.

Hier das Video:

28. Juni 2017

Werbung für mehr Verständnis füreinander

Kampagnen sind nützlicher als man immer so denkt. Werben für den Radverkehr. Werben für mehr Verständnis untereinander im Straßenverkehr. 

Menschen sind verschieden und bewegen sich verschieden in der Stadt. Das darf auch so sein. Das Bundesverkehrsministerium hat unter dem Titel "Runter vom Gas" eine Reihe von Broschüren aufgelegt, die man unter diesem Link findet und herunterladen kann. Wofür auch immer. 

Auf eine davon hat mich Blogleser Matthias aufmerksam gemacht. Er hat bei einem Jedermannrennen im Startbeutel das Heftchen "Für mehr Verständnis, PkW-Fahrrad, Fahrrad-Pkw" gefunden und es mir zum Schmunzeln empfohlen.

27. Juni 2017

Radweg Holzstraße wieder frei

Kurze Meldung: Schon heute ist die Baustelle wieder abgeräumt. Das ist schön. Hoffen wir, dass der Radweg jetzt frei bleibt.

Der Radweg entspricht trotzdem nicht meinen Vorstellungen von einer bequemen und sicheren Verbindung auf der Hauptradroute 1. Der ADFC hat auch bereits einen Offenen Brief geschrieben.

Mängel: Zu viele querende Fahrzeuge, zu schmal, zu winkelig und immer in Gefahr, von Autos erobert zu werden. Er läge besser auf der Fahrbahn der Holzstraße, die hier zwei Fahrspuren für Autos hat, die es nicht braucht.
Die Ampelschaltung am Charlottenplatz zum Landtag ist dreizügig und damit nicht radlergerecht. Der eine von beiden Aufstellplätzen reicht nicht für Räder mit Anhänger.

Ich bin am Freitagabend, 18:30 Uhr, Ecke Holzstraße/Marktstraße, um die Strecke noch einmal zu begutachten, zu diskutieren, zu radeln ... 

Das Foto stammt von Facebookkommentator Timo. Vielen Dank.

26. Juni 2017

Fahrradstraße verschwunden, Radweg auch weg.

Nur drei Tage lang war der Radweg Holzstraße zu befahren. Ich fand ihn nicht angemessen für eine Hauptradoute 1. Heute ist er bereits wieder verschwunden.

Er ist komplett gesperrt für Radfahrende. Breuninger hat dort einen Kran aufgestellt.

Ich will nichts unnötig skandalisieren. Die Umleitungsschilder stehen alle. (Man muss sie nur auch sehen.) Der Weg durch die Münzstraße ist frei.

Na gut ... falls er frei ist.

Denn als ich da herumkurvte, war er das nicht, wie man im Video sehen kann. Im Prinzip aber - also wenn sie frei ist - ist die Strecke gut befahrbar. Halt nur keine Radroute mehr.

Die Waldfriedhofstrecke fürs Fahrrad?

Es gibt noch keine Radwegverbindung zwischen dem Kessel und Degerloch oder Sonnenberg, die keine mordsmäßige Steigung hat.

Die Straßen mit mäßiger Steigung sind den Autos vorbehalten, etwa die Neue Weinsteige oder die Karl-Kloß-Straße, die am Waldfriedhof hinauf führt.

Als Radfahrer kann man die beiden Straßen natürlich auf der Fahrbahn hochradeln. Das allerdings erfordert starke Nerven und stößt bei Autofahrenden nicht unbedingt auf Verständnis.

24. Juni 2017

Eine Fahrradstraße ist verschwunden

Es ist keine Überraschung, jedenfalls nicht für die, die meinen Blog lesen. Vor gut einem Jahr habe ich geschrieben, dass die Hauptradroute 1 umorganisiert wird, wenn das Dorotheenquartier rund um Breuninger fertig ist. 

Diesen alten Artikel haben in den letzten Tagen erbitterte Radfahrende kommentiert. Aus gutem Grund. Zwar ist der Verlust der Fahrradstraße vorhergesagt, aber nun halt doch eine Überraschung. Vor allem aber ist die Alternative, der Radweg Holzstraße keine Verbesserung, sondern eher ein schlechter Witz. Radfahren durch die City bleibt ein Hindernislauf, wie das Video unten auch wieder zeigt.

22. Juni 2017

Das muten wir Müttern mit Kindern zu, wenn sie nicht Auto fahren?

Manchmal frage ich mich, ob wir eigentlich noch richtig ticken. Haben wir denn komplett vergessen, worum es in unserer Gesellschaft geht? Um Menschen. 

Da drängeln Autos durch eine schmale Straße. Eine Mutter ist mit ihren beiden Kindern unterwegs. Sie fährt Fahrrad mit einem Kinderanhänger. Ihre etwas ältere Tochter sitzt auf einem Kinderfahrrad.

Schön, dass die Mutter sich diese Reise so zumutet, statt mit dem SUV hier durch zu rammeln. Aber sie kommt kaum vorwärts, weil ihr ständig Autos den Raum nehmen. Ständig hält sie an, guckt sich nach ihrem Kind drüben auf dem Gehweg um.

Elektrische Minifahrzeuge - die noch nicht bedachte Zukunft

Künftig werden noch mehr Geräte mit weniger als vier Rädern durch unsere Straßen rollen als nur Fahrräder.

Nämlich Geräte für eine elektrisch unterstützte Mobilität auf städtischen Strecken, die man in der Stadtbahn mitnehmen kann, schnell ins Auto hebt, mit denen man Treppen hochkommt.

Zum Beispiel so was wie dieser Scooter SXT light. Sein Besitzer findet das Teil praktischer als ein Fahrrad. Man kann es blitzschnell zusammenklappen und in der Stadtbahn unter den Sitz schieben. Mit so einem Teil kann man durch ganz Deutschland (durch die Welt) reisen und hat in jeder Stadt ein niederschwelliges individuelles Fortbewegungsmittel. Der Tretroller ist mit einer mächtigen Antriebselektronik ausgestattet, die den Fahrer zügig voranbringt. Nur fahren darf er damit eigentlich nirgendwo, weder auf der Fahrbahn, noch auf Radwegen, noch auf dem Gehweg.

21. Juni 2017

Fahrradwerkstatt von Geflüchteten sucht Räume in Stuttgart Süd

Der Freundeskreis Flüchtlinge Stuttgart-Süd möchte eine ehrenamtliche, soziale Fahrradwerkstatt einrichten. 

Dort sollen alle Fahrräder repariert werden, die gebracht werden. Dafür sucht die Fahrradwerkstatt im Süden einen Raum. 

Im Stuttgarter Süden befinden sich drei Unterkünfte für Flüchtlinge, in denen zwischen 360 und 400 Bewohner/innen leben. Engagierte ehrenamtliche Helfer/innn unterstützen die Geflüchteten Menschen im Viertel wie in vielen anderen Stadteilen dabei, sich möglichst schnell zu integrieren. 

20. Juni 2017

Werbefahrräder

Die Werbung hat das Fahrrad entdeckt. Fahrräder sind als Werbeträger billiger als Autos, und sie lassen sich vor Geschäften abstellen.

Oder auch an Ständern in der Fußgängerzone. Man besorgt sich ein Schrottrad, malt es an und versieht es mit einem Hinweisschild auf das eigene Geschäft.

Kostet so gut wie nichts, die Werbefläche muss man ja auch nicht mieten. Und so stehen statt (womöglich von einer Stadt verbotener Aufsteller) auf einmal Fahrräder vor Läden und transportieren ihre Werbebotschaft: Seht her, ich bin umweltbewusst und verkaufe Klamotten.

Ist das eigentlich erlaubt?

18. Juni 2017

Böse Baustellenüberraschung am Rosensteinbunker

Am Rosensteinbunker waren Fußgweg und Radweg wegen einer Baustelle komplett gesperrt. Radler und Fußgänger suchten sich eigene Wege.

Der Neckardamm ist einer der meistbefahrenen Radlerstrecken in Stuttgarts. Die Strecke ist schwierig genug, stellenweise für Radler nur freigegeben, kein Radweg. Und alle stehen sie lange an der Kombi-Ampel für Fahrrad und Fußgänger am Rosensteinbunker herum. Der Weg war noch am Feiertag für alle unterbrochen.  Macht aber nichts, denn Fußgänger und Radfahrer kommen überall durch. Sie sind ja Pfadfinder. Sie sind es gewohnt, für sich selber zu sorgen.

16. Juni 2017

Eigentlich nur noch ein Autospielplatz

Eigentlich ist das ein Shared Space, der Abschnitt der Tübinger Straße zwischen Österreichischem Platz und Rotebühlplatz. Parken ist verboten.

Nur dass die Autos so dick und groß sind, dass sie den meisten Platz belegen. Vor allem, wenn sie stehen. Und sie stehen exzessiv. Und lang.

Noch eigentlicher ist das hier Teil der Hauptradroute 1 längs durch Stuttgart. Einen Alternativweg gibt es nicht.

14. Juni 2017

Solar-Rad im Deutschlandtest

Er ist gestartet. Rainer Idler aus Stuttgart will mit einem Fahrrad mit Anhänger längs durch Deutschland fahren. 

Das Besondere. Auf dem Anhänger ist ein Solarmodul gebaut. Das Ziel: Selbstversorgung.

Der Anhängerist mit Batterien vollgeladen und per Stecker wird auch auch der Akkus am Fahrrad aufgeladen. Das Fahrrad war bei der letzten Critical Mass zu sehen. Noch nicht ganz fertig. Es handelt sich um ein Gobax-Fahrrad aus Mössingen, und zwar ein älteres Modell noch mit Gangschaltung. Der Anhänger ist ein Carla-Anhänger der Firma aus Freiburg. Er besitzt ebenfalls  einen Motor. Die ganze Konstruktion ist eine Entwicklung von Gobax. Rainers Reise können wir auf Twitter verfolgen.

12. Juni 2017

Radfahrende müssen eigentlich belohnt werden

Das schreibt Eva Wolfangel in Spektrum.de. So groß ist nämlich ihr gesellschaftlicher Nutzen. Oder er wäre es, wenn man Radverkehr wirklich fördern würde. 

Auch sie klappert in ihrem Artikel  die Fakten ab, die auch ich hier immer wieder nenne, von den Unfallzahlen und -gründen bis zu den wirtschaftlichen Aspekten. Der Autoverkehr kostet die Volkswirtschaft 15 Cent pro Kilometer, der Radverkehr bringt der Gesellschaft einen Gewinn von 16 Cent pro Kilometer. Das haben die Forscher Stefan Gössling (Uni Lund) und Andy Chol (Uni Queensland) errechnet.

"Wer gewisse Regeln ignoriert, erhöht die eigene Sicherheit", stellt der Dresdner Verkehrswissenschaftler Randelhoff dem entgegen.

10. Juni 2017

Radfahren in Stuttgart feiert Geburtstag

Heute vor vier Jahren habe ich mit diesem Blog, Radfahren in Stuttgart, begonnen. 

Blogleser Philipp hat mir kürzlich folgenden Brief geschrieben und dazu dieses Foto geschickt.

"Guten Tag Frau Lehmann,
ich bin fleissiger Leser ihres Blogs. Auch wenn ich mich darin noch nie zu Wort gemeldet habe, bin ich vom Nutzen für uns Radler überzeugt. Ich Teile die meisten Ihrer Ansätze und bin von Ihrem Engagement beeindruckt.
Seit 11 Jahren bin ich jetzt täglich auf Stuttgarts Straßen unterwegs. Wenn ich zurück blicke hat sich vieles zum Guten entwickelt. Gerade in der Wahrnehmung andere Verkehrsteilnehmer uns Radler gegenüben haben wir deutlich an Stellenwert gewonnen. Das Radeln im Stuttgarter Straßenverkehr ist sicherer geworden. Natürlich muss noch viel passieren. Aber auch dank Ihrer Arbeit sind wir auf einen guten Weg. Im Angang habe ich Ihnen eine Stelle in Stg-Botnang, Ortseingang von Feuerbach kommend, angehängt. Ich denke das Foto ist selbst erklärend.  Jedes mal wenn ich dort vorbei komme muss ich an ihren Blog denken.
Viele freundliche Grüße von Philipp B. " 
Vielen Dank. 

8. Juni 2017

Wenn der Dienstwagen Teil des Gehalts ist ...

Radfahrer sind Arschlöcher. Sagt einer, der es wissen muss, ein Wiener Autofahrer. Einer, der seine täglichen zwei Kilometer zur Arbeit im Auto zurücklegt und findet, dass Radfahrer ihn nur aufhalten. 

Das erzählt Mathias Winterer in der Wiener Zeitung und kommt ins Nachdenken. Was für eine aus der Zeit gefallene Geisteshaltung. 

Er resümiert: "Zu sehr haben wir uns an die Blechlawine gewöhnt. (...) Zu lange ignorierte die Politik das Problem. (...) Schon zu lange ist unsere komplette Wirtschaft von der Autoindustrie abhängig – direkt oder indirekt. Und das ist das wahre Problem. Die Geisteshaltung des Manns am Würstelstand soll gar nicht aussterben. Auch wenn sie in einer aufgeklärten, urbanen Welt ziemlich anachronistisch wirkt. Sie wird gebraucht. Noch!"

Kommt uns hier in Stuttgart vertraut vor?

6. Juni 2017

Baustellenumleitungen immer noch mangelhaft

So kann man Baustellen für Radfahrende auch einrichten. Diese Bilder hat mir Blogleser Jan aus Berlin geschickt. 

Dem Autoverkehr hat man eine Spur genommen, damit die Radspur ordentlich um die Baustelle geführt werden kann. Der Gegenverkehr in dieser Straße wird durch eine Seitenstrecke umgeleitet. Vorbildlich, obgleich Berlin ja nicht immer so vorbildlich bei der Sicherheit von Radfahrern ist.

Sowas habe ich in Stuttgart noch nie gesehen.
n der Olgastraße müssen sich Radler bergauf seit Monaten von der versiegenden Radstreifen mit deutlich winkenden linken Armen in den Autoverkehr drängen.

4. Juni 2017

Stadtradeln macht radeln

Im zehnten Jahr Stadtradeln hat dieses Jahr erstmals Stuttgart mitgemacht. Allerdings eher so im Geheimen. 

Die Presse fand es offenbar blöd. Sie hat gar nicht berichtet. Auch die Abschlussveranstaltung mit den Preisvergaben für beste Radler und beste Teams war noch nicht das große Radlerfest, wie ich mir das vorstelle. Im kommenden Jahr wird das bestimmt besser. Dann werden es auch noch mehr Teams und mehr Radler und mehr Kilometer werden.

Immerhin 46 Teams haben dieses Jahr in Stuttgart teilgenommen. 750 Radlerinnen und Radler haben vom an den 21 Tagen im Mai 181.157 km zurückgelegt (das entspricht einer 4,52-fachen Länge des Äqators) und dabei fast 26.000 kg CO2 vermieden.

2. Juni 2017

Viel Platz für Autos, reichlich für Fußgänger, wenig für Radler

Hier sieht man besonders gut, wie enorm viel Platz den Autos vorbehalten ist und wie  wenig Radfahrende bekommen. 

Man sieht kein Auto, das hält. Man sieht Fußgänger auf einer breiten Furt und man sieht Radfahrende, die sich auf einem schmalen Radstreifen entgegenkommen und nebendran ausweichen.

Das ist die Schreiberstraße am Alten Feuerwehrhaus. Hier quert die Möhringer Straße, die Teil der Hauptradroute 1 längs durch Stuttgart ist. Selbst im Winter oder bei schlechten Wetter queren hier Hunderte Radfahrende morgens und dann wieder abends diese Straße. Im Sommer sind es sicher mehr als Tausend. Aber die Radinfstruktur und die Ampelschaltung tun noch so, als führe hier nur gelegentlich mal ein Radler.

30. Mai 2017

Bambus-Räder aus Ghana

Auf den Radaktionstagen hat Ewald Baumann Bambus-Fahrräder vorgestellt und probefahren lassen. Diese Räder von dem Unternehmen my boo in Ghana hergestellt. 

Denn in Ghana wächst Bambus überall am Straßenrand. Er wird geschlagen und über mehrere Monate getrocknet, von innen behandelt und in 80 Stunden zu einem Rahmen verarbeitet. Die Verbindungsstellen (mit den Aluminiumteilen) werden mit in Harz getränkten Hanfseilen umwickelt. In Kiel werden die Rahmen geprüft und so lackiert, dass sie unser Wetter aushalten. Heraus kommt ein leichter und extrem stabiler Fahrradrahmen. Und stylish sieht das Ganze auch noch aus. 

28. Mai 2017

Übrigens, Autofahrende haften bei Unfällen mit Radfahrenden

Ein Radfahrender nimmt einem Autofahrer die Vorfahrt. Es kommt zum Unfall. Der Radler wird verletzt.  Dafür haftet auch der Autofahrer. 

In so einem Fall mindert ein Gericht die Haftung des Autofahrers höchstens, aber mit einem Drittel ist der Autofahrer meist mindestens mit dabei.

Denn für Autos besteht generell eine Betriebsgefahr. Und diese Betriebsgefahr, die vom Auto als schwerem, schnellem und für alle ungeschützten Verkehrsteilnehmer/innen potenziell tödlichen Gerät ausgeht, hebelt das Verschuldungsprinzip aus, das ansonsten in unserem Strafrecht gilt. Viele Autofahrende wissen das und behandeln Radfahrende darum mit großem Respekt. 

26. Mai 2017

Erster Radschnellweg Sindelfingen-Rohr geplant

Der Landkreis Böblingen will schon im kommenden Jahr auf der Römerstraße den ersten Radschnellweg nach Stuttgart eröffnen. Er verbindet Sindelfingen und Böblingen mitRohr. 

Wie die Stuttgarter Zeitung am 21. Mai berichtete, soll dafür das historische Kopfsteinpflaster streckenweise überdeckt und die Straße frühmorgens und nachts bis 22 Uhr per Bewegungsmelder beleuchtet werden.

2,2 Millionen will der Landkreis Böblingen investieren. Die Denkmalschützer scheinen sogar ganz froh zu sein, dass das Kopfsteinpflaster durch Asphalt geschützt wird. (Es werden Trennschichten aufgetragen, darüber kommt dann schwarzer Asphalt.) Immer wieder sollen Abschnitte für Betrachter offen gelassen werden. Und erhalten bleibt der Abschnitt in Vaihingen/Rohr, der direkt zu den Patch Barracks führt, denn der ist nicht mehr Teil des Radschnellwegs. Es sei denn Stuttgart baut ihn aus. Der Radweg soll dann auch im Winter geräumt werden. Teile der Römerstaße befinden sich derzeit im Besitz des Bundes, der ganz froh ist, dass sich jetzt wieder jemand um die Straße kümmert. Ein gutes Projekt.

24. Mai 2017

Das ist echt frech

Wir haben uns doch sehr daran gewöhnt, dass Autos einfach überall stehen, wo andere Autos nicht fahren. Auf Gehwegen, in Fußgängerzonen, auf Radwegen und Radspuren. 

Dieses Auto stand am Mittwoch, den 17. Mai gegen 20 Uhr doch tatsächlich auf der Abbiegespur für Radler am Tagblattturm. Es saß niemand drin. Es war dort abgestellt. Geparkt also. Freie Fläche, Auto drauf.

Um dort reinzukommen, muss der Autofahrer auf der linken Gegenfahrspur vorgefahren und dann in die Radspur reingefahren sein. Das ist schon eine beachtliche Summe von Regelverstößen.

22. Mai 2017

Radboxen in Wohngebieten - Essen macht es vor

 So muss das nicht aussehen
In Essen bietet der ADFC jetzt Anwohner Fahrradboxen zum Abstellen an. Das berichtet die WAZ

Und das geht so: Zehn Anwohner/innen tun sich zusammen und bestellen beim ADFC eine Fahrradbox. Die Bezirksbeiräte gucken, wo ein geeigneter Ort ist, dann wird das Ding aufgestellt. Das ermöglicht es, auch Pedelecs nachts abzustellen, die man nicht in den Keller und wieder herauf tragen kann. Radabstellanlagen sind eine ausnehmend gute und billige Radverkehrsförderung.

20. Mai 2017

Autofahrer bringt Radlerin zu Fall und begeht Fahrerflucht

Am Montagmorgen fuhr nach Angaben der Polizei eine 14-Jährige auf der Rohrackerstraße Richtung Hedelfingen, wurde geschnitten und stürzte.

Kurz vor der Einmündung in den Kreisverkehr mit der Heumadener Straße, so die Polizei, überholte sie ein Auto so knapp, dass sie auf den Gehweg lenkte und am Bordstein über den Lenker stürzte. Sie musste schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht werden. Nach meiner Rekonstruktion muss das hier gewesen sein.* (Siehe Foto, hell markiert.)

Der Autofahrer fuhr weiter. Es soll sich um eine schwarze Limousine handeln. Mehr hat die Radfahrerin nicht gesehen.

19. Mai 2017

Schlechte Noten für Stuttgart beim Fahrradklima-Test

Stuttgart liegt im Gesamtranking auf Platz 33 von 39 und hat von den Radfahrenden, die an der Befragung durch den ADFC teilgenommen haben, die Note 4,2 bekommen, also gerade mal ausreichend. 

Das ist sogar eine noch schlechtere Bewertung als bei der Befragung 2014. Wenn man sich die Bewertung im einzelnen anschaut, dann sieht man, dass die Radler in Stuttgart das Angebot an öffentlichen Leihrädern gut finden und sich freuen, dass viele Einbahnstraßen in Gegenrichtung für Radler freigegeben sind. Auch mit der Fahrradmitnahme in öffentlichen Verkehrsmitteln sind die Befragten offenbar zufrieden. Stuttgart schneidet dagegen schlecht ab, bei der Radführung um Baustellen, beim Falschparken auf Radwegen und bei den Ampelschaltungen.

18. Mai 2017

Wer denkt sich so was aus?

Noch fahren nicht wirklich viele zum Milaneo mit dem Fahrrad. Die Klientel kommt hauptsächlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln und mit dem Auto. 

Doch der Bereich ist für Radfahrende freigegeben. Und der Radverkehr nimmt zu.

Man hat auch großzügig Radbügel aufgestellt. Allerdings ist dieses Ensemble mit Bank und Podest eher ein Witz.  Räder hochheben müssen über einen (und keinen kleinen) Absatz, das ist total gaga. Ältere Menschen kriegen ihre schweren Pedelcs da gar nicht hoch. Aber auch jüngere Radler dürften sich hier verarscht vorkommen. Merke: Fahrrad und Stufen passen nicht zusammen.

17. Mai 2017

Heute - Ride of Silence

Treffpunkt ist  heute Abend 19:30 Uhr der Marienplatz. 

Mit dem Ride of Silence gedenken heute in Stuttgart und ganz Deutschland Radfahrende an die getöteten und verletzen Radfahrer des vergangenen Jahres. In mehr als 450 Städten auf sieben Kontinenten fahren wir schweigend - wenn wir wollen auch weiß oder schwarz gekleidet - mit unseren Rädern durch die Stadt.

Im vergangen Jahr haben wir für einen auf einem Kreisverkehr in Weilimdorf getöteten Radfahrer selbst einen Ghost Bike Ride  veranstaltet und ein weißes Fahrrad aufgestellt.

16. Mai 2017

Der Schimmelhüttenweg

Manche radeln ja gern steil und hindernisreich. Da hätten wir den Schimmelhüttenweg. Er verbindet parallel zur Alten Weinsteige Degerloch mit dem Marienplatz, nur etwas weniger direkt. Dafür den Weinberg entlang, schmal und grün. 

Ich kenne Radler/innen, die den Schimmelhüttenweg der Alten Weinsteige vorziehen. Ich kenne einen Radler, der fährt ihn immer hoch. Mit Normalrad. Respekt! Ich finde ihn arg steil.

14. Mai 2017

Radfahren ist gut gegen funktionale Seh-Schwäche

Radfahren ist Bewegung und darum vielfältig gesund für den menschlichen Körper und Geist. Wissenschaftler haben jetzt herausgefunden, dass es auch gegen Seh-Schwäche hilft. Denn es stärkt die Plastizität der Hirnrinde. 

Das heißt, es lässt Nerven im Gehirn wachsen, das kommt dann auch der Sehkraft zu Gute. Ambliopie nennt sich eine funktionale Sehschwäche, bei der das Auge eigentlich okay ist, Menschen aber trotzdem unscharf sehen.  Das Nervensystem rund ums Auge, also das Sehsystem im Gehirn ist zu schwach oder ungenügend ausgebildet. Radfahren hilft dagegen. Wie einer kurzen Pressemitteilung in Wallstreet-online zu entnehmen ist, haben das Forscher der Universität Pisa und des Nationalen Forschungsrats von Italien bei Versuchen herausgefunden.

12. Mai 2017

Sommerstrecken versus Winterrouten?

Der Leserbeirat der Stuttgarter Zeitung, Martin Huttenlocher, fährt wie die Zeitung schreibt, oft mit seinem Pedelec von Botnang nach Fellbach. Was er schildert entspricht Radfahren in Stuttgart.

So richtig durchgängig ist die Radroute nicht. Er fährt schon länger, deshalb kennt er die schönen Strecken, beispielsweise den Weg durch Schrebergärten und Wald parallel zur Feuerbacher Talstraße, auf der es ja keine Radinfrastruktur gibt. Er radelt auch in Cannstatt nicht auf den Radstreifen der Waiblinger Straße nach Fellbach, sondern außen herum, vermutlich auf dem Feldweg parallel zur Nürgberger Straße.

Schöne Strecke, längs durch die Stadt. Herr Huttenlocher kommt mit Sicherheit gut gelaunt und angenehm durchgepustet im Büro und abends wieder zu Hause an.

10. Mai 2017

Die Alte Weinsteige ist doch längst eine Fahrradstraße

Am Wochenende ist die Alte Weinsteige eine beliebte Herausforderung für Bergaufradler auf Normalrädern. 

Aber auch unter der Woche ist die einzige halbwegs radtaugliche Verbindung zwischen Degerloch und dem Marienplatz eine beliebte Strecke für Pendler-Radler. Morgens runter, abends rauf. Gerne auch mal rauf mit der Zacke.

Pedelecs haben die Alte Weinsteige in den letzten Jahren zu einer viel beradelten Straße werden lassen. Früher war ich meist die einzige Radlerin, heute begegnen mir immer andere Radfahrer. Zuweilen sehe ich hier mehr Radfahrer als Autos. Wobei Autos ja gar nicht hinunter fahren dürfen, weil an der Wieladnshöhe die Weiterfahrt nach unten per Schild verboten ist. Würde man auf der Alten Weinsteige nur die Autos zählen, die legal hinauf fahren (zwischen 15 und 19 Uhr dürfen sie ja auch nicht hinauf), dann währen das viel weniger als Radfahrende hier unterwegs sind. Sehr viel weniger.

8. Mai 2017

Das kann weg und muss auch nicht wieder hin

So, das Frühlingsfest ist vorbei. Jetzt kann die Sperre an der König-Karls-Brücke zum Neckardamm wieder weg. Sie ist ein Ärgernis für alle Radfahrenden und zudem völlig unnötig. 

Jeden Tag haben hier Hunderte Radfahrende auf ihren Pender-Strecken zwischen Stadtmitte und Hofen, Mühlhausen, Remseck oder Esslingen diese massive Zet-Sperre umkurvt, wenn sie die Rampe zum Neckardamm hinunter wollten oder herauf kamen. Dabei das Schild "Radfahrer absteigen".

Doch die meiste Zeit des Tages und der Woche, waren hier nicht mehr Fußgänger unterwegs als sonst auch. Es bestand nicht die geringste Gefahr, dass Radler Fußgänger umfahren. Ohnehin besteht die Gefahr nicht, dass Radfahrende in Menschenansammlungen hinein brettern. Solche Sperren sind nur unnötige Hindernisse für Radfahrende.

6. Mai 2017

E-Bikes und S-Pedelecs haben es schwer in Stuttgart

Eigentlich wäre es wünschenswert, dass Pendler vom Auto auf E-Bikes (E-Mofas) und S-Pedelecs umsteigen. 

Aber mit diesen Fahrzeugen darf man nicht auf Radwegen fahren. Man muss auf der Fahrbahn bleiben. Und das ist zuweilen arg unheimlich.

Damit wird auch der direkte Weg zwischen Cannstatt und Stutttgart durch den Schwanenplatztunnel und über die König-Karls-Brücke schwierig. Auf dem Radweg am Leuze vorbei dürfen S-Pedelecs nicht fahren. Vor den Einfahrten in den Tunnel und auf die König-Karls-Brücke stehen Schilder, die die Fahrbahn für Fahrräder verbieten. Aber sind S-Pedelecs aber überhaupt noch Fahrräder?

4. Mai 2017

Die sechste Ampel

In Wangen im Allgäu ist ein auf dem Gehweg verlaufender Radweg perfekt mit Ampeln ausgestattet. 

Allerdings fast zu perfekt. Beim Befahren bin ich auf die sechste Variante von Ampeln für Radfahrende gestoßen: Die Autoampel mit Radzeichen, die wie eine Fußgängerampel auf der anderen Seite der Fahrbahn steht.

Immerhin wird man als Radler auf dem Gehweg schon mal eingeübt. Hier zeigen Autoampel, Fahrradampel und Fußgängerampel gleichzeitig grün und nahezu gleich lang. Die Radampel in Größe einer Autoampel trägt dem Umstand Rechnung, dass Radler sich seit Anfang des Jahres nicht mehr nach Fußgängerampeln richten dürfen, auch dann nicht, wenn sie auf dem Gehweg radeln müssen, sondern nach den Autoampeln, wenn keine Radampel da ist. Ist hier da. Alles gut. Aber dann kommen wir an die nächste Kreuzung.

2. Mai 2017

Moderne Zentauren - von der Eleganz des Fahradfahrens

Das Zweirad ist der Beginn des Individualverkehrs. Vorher gab es nur Pferde und Kutschen mit vier Rädern.

Wir alle wissen, dass Drais das Fahrrad erfunden hat. Genial: Fortbewegung auf nur zwei Rädern. Das bedeutete Balance finden. Eine Bewegungsart, die ihn ans Schlittschuhfahren erinnerte und dem Fliegen nahe kommt: schweben, gleiten und balancieren. Weshalb Fahrräder auch zunächst von Flugzeugpionieren gebaut wurden, Otto Lilienthal zum Beispiel. Das Fahrrad diente als Testgerät zur Fahrphysik.

Es hat dann fünfzig Jahre gedauert, bis die Menschheit diese Fertigkeit, auf zwei Rädern zu gleiten, auf breiter Basis erlernt hat. So stellt es Hans-Erhard Lessing in einem Artikel für das Spektrum der Wissenschaft (4.17, S.62) dar. Die Ausstellung im Technoseum in Mannheim zeigt gerade 200 Jahre Radgeschichte.


Die Draisine machte das Pferd überflüssig. Ein Holzzweirad musste man nicht füttern. Deshalb war es in den Hungerjahren nach dem Jahr ohne Sommer, 1816, ein bestechendes Verkehrsmittel. Drais war mit seinem Zweirad auch noch schneller als eine Postkutsche. Er kam auf etwa 13 km/h. Eine Kutsche fuhr mit 3 km/h. Dann bekamen die Räder eine Kurbel am Vorderrad: Das Hochrad war zunächst nur Spielzeug reicher Männer, die Kunst der Balance musste erst erlernt werden. Ein Fahrrad war ein Statussymbol. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bildeten sich Fahrradclubs. Und schon bald strebten Frauen aufs Fahrrad. Es war auch erwünscht, es wurde dafür geworben.

Die Fahrräder, wie wir sie kennen, mit Kurbel und Kette waren solange für Frauen schwierig, mit langen Röcken zu bestiegen, wie sie noch keinen Freilauf hatten. Bis dahin stellte man den Fuß auf eine Pedal an der Hinterradachse, gab dem Rad einen Schubs (die Kurbel drehte sich dann schon), zog sich über den Sattel und fing die Kurbel ein. Für Frauen war das Fahrrad die Chance, Raum zu gewinnen, bequemere Kleidung zu tragen, sich sportlich zu betätigen. Ein Mittel der Emanzipation. Erst im Zweiten Weltkrieg verlor das Fahrrad wieder an Bedeutung.

Was aber diesen Herrn aus Neckarsulm, dem einst dieses NSU-Fahrrads(1949) gehörte, nicht hinderte, es als sein geliebtes Fahrzeug mit allem auszustatten, was überhaupt möglich war: Tacho, Temperaturanzeige, Blinker, Bremslicht (das über eine hinten umgekehrt gefädelte Kette aktiviert wurde: die Kette schlägt beim Bremsen gegen einen Kontakt). Dieses Fahrrad wird auch in Mannheim gezeigt, aber im Katalog leider nicht beschrieben.

Erst ab den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gewinnt es die Bedeutung zurück, die es einmal als schnelles Individualverkehrsmittel hatte. In Großstädten ist das Fahrrad jetzt schon bereits wieder schneller als das Auto. Jeder kann es fahren, es nimmt kaum Platz weg, es ist fast emissionsfrei und es ist leise. Und es ist inzwischen auch längst wieder zu einem Statussymbol geworden.

Kein Tier setzt die Energie so effizient zur Fortbewegung ein wie ein Mensch, der Fahrrad fährt, erklärt H. Joachim Schlichting in seinem Artikel in derselben Ausgabe von Spektrum der Wissenschaft (aaO, S. 74). Der Wirkungsgrad unserer Anstrengungen beträgt allemal auf einem Rennrad in Rennhaltung 25 Prozent (das entspricht auch dem Wirkungsgrad eines Otto-Motors). Beil zu-Fuß-Gehen oder Joggen dient lange nicht so viel Energie, die wir einsetzen, dem Vorärtskommen, viel geht ins Anheben der Füße.

Übrigens können wir nur dann ausdauernd und schnell mit dem Fahrrad fahren, wenn die restlichen Dreiviertel-Energie, die wir (wie der Otto-Motor) in Hitze umwandeln, abgeführt werden kann, also bei kühlendem Fahrtwind.

Der Fahrtwind bremst aber auch. Der Artikel untersucht ausführlich, das Verhältnis zu aufgewandter Stoffwechselenergie des Menschen zum Rollwiderstand und zum Luftwiderstand und kommt zu dem Ergebnis, dass die Rennhaltung auf dem Rennrad entscheidend ist, um bei etwas höheren Geschwindigkeiten den Luftwiderstand zum umgehen, der exponentiell zur Geschwindigkeit zunimmt. Gebückt kann man immer hin 3 Stundenkilometer schneller werden als aufrecht. Ist aber halt unbequem und eigentlich nur bei Radrennen wichtig. Bei unseren Alltagsgeschwindigkeiten in der Stadt, spielt der Luftwiderstand sowieso keine Rolle.

200 Jahre Fahrrad, das feiert auch Stuttgart mit den Fahrradaktionstagen am 20/21. Mai 2017.